Idee: Wir bringen den Jugendlichen die alte Tradition des Hungertuches näher. Sie sollen kreativ ihre eigene Lebenswelt einbringen und so einen ganz persönlichen Zugang zur Fastenzeit finden.
Worterklärung: Hunger- oder auch Fastentücher werden bereits seit ca. 1000 Jahren während der Fastenzeit in den Kirchen aufgehängt. Ursprünglich trennten sie den ganzen Chorraum von der übrigen Kirche, später wurde mit ihnen nur der Altar verhüllt. Die Hungertücher wurden immer schon mit bildlichen Darstellungen verziert. Die meisten Motive stammen aus der Leidensgeschichte Jesu Das Hungertuch will ausdrücken, dass der ganze Mensch fastet. Das Zentrum der Kirche, der Altar, der ein Symbol für Jesus Christus ist, ist nicht mehr zu sehen. Erst wieder zu Ostern ist der Altar sichtbar. Heute werden auch neue Fastentücher gemalt und in den Kirchen aufgehängt.
Vorbereitung und Material:
• Eventuell ein Fastentuch organisieren und im Raum aufhängen.
• Alte Tücher organisieren.
• Farben, Pinsel und Wassertöpfchen bereitstellen. Es können normale Abtönfarben benutztwerden.
• Den Fussboden im Raum oder Tische abdecken.
• Liedblätter kopieren und in genügender Zahl bereithalten.
• Eventuell Vorlagen (Symbole) vorbereiten.
• Je nach Anzahl Teilnehmer*innen genügend Räume reservieren.
• Tee und Gebäck für den Abschluss vorbereiten.
Bausteine und möglicher Ablauf:
Begrüssung und Einstieg: Alle Teilnehmer*innen versammeln sich. Nach der Begrüssung setzen sich alle auf den Boden.
Impuls: Wenn ein Hungertuch besorgt werden konnte, hängt dieses mitten im Raum. Der*die Leiter*in nimmt Bezug auf das Hungertuch: «Als ihr hierhergekommen seid, ist euch bestimmt etwas aufgefallen. Das Tuch, das hier hängt, nennt man Hungertuch. Hungertücher sind schon sehr alt. Seit fast l 000 Jahren werden sie während der Fastenzeit in den Kirchen aufgehängt. Damit wollen die Menschen ausdrücken, dass sie sich in der Fastenzeit ganz besonders auf Ostern vorbereiten möchten. Denn Fastentücher stellen meistens Szenen aus dem Leben und dem Leidensweg Jesu dar. Ausserdem sind sie auch ein Zeichen des Verzichts. Denn früher wurden mit ihnen die Altäre abgedeckt, dadurch konnten die Menschen den Altar bis Ostern nicht sehen. So hat das Auge gefastet.
Hungertuch malen: «Heute wollen wir unser eigenes Hungertuch malen. Wir wollen uns überlegen: Worunter habe ich zu leiden, wo werde ich verfolgt oder worauf sollte ich verzichten, damit es mir besser geht, oder wie stelle ich mir eine bessere Welt für alle Menschen vor? Denn die Menschen, die Hungertücher gemalt haben, haben auch immer sich selbst und ihre Welt gemalt. Sie haben die Leidensgeschichte Jesu immer mit ihren eigenen Augen gesehen.»
Gruppen einteilen: Die Teilnehmer*innen in 4er- oder 6er-Gruppen einteilen und eventuell auf verschiedene Räume verteilen.
Material verteilen: Tücher, Farben, Pinsel, Wasserbecher bereits vorbereiten und Gruppen kurz in die Maitechnik einführen.
Gruppen durch Leiter*in beraten: Die Gruppen am Anfang nicht sich selbst überlassen. Die Gruppenleiter*innen unterstützen die Gruppen beim Suchen der Motive und motivieren sie zu eigenständigen Arbeiten. Eventuell einzelne Vorlagen als Kopien bereithalten, zum Beispiel verschiedene Symbole: Kreuz, Lamm, Folterinstrumente. Am Schluss betrachten alle miteinander die gemalten Hungertücher. Wir können die einzelnen Teile später, wenn sie trocken sind, zu einem grossen Tuch zusammennähen. Das Tuch hängen wir im eigenen Raum, in der Kirche oder im Pfarreiheim auf.
Abschluss: Wir sitzen gemütlich bei Tee und Gebäck zusammen. Wir singen das Lied: Der Himmel geht über allen auf.
Weiterführende Ideen: Wenn wir das Hungertuch fertiggestellt haben, können wir eine kleine Vernissage organisieren, in der das Tuch anderen Jugendlichen oder den Eltern vorgestellt wird. Dies kann man mit einem gemütlichen Zusammensein verbinden.
Dieses Anispi stammt aus: Manfred Kulla / Beat Niederberger, Fastenzeit und Ostern mit Jugendlichen feiern, Rex Verlag Luzern 1996.